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Wie alles begann – Teil 1 –

Am Anfang war die Idee. So einfach, so normal, so unspektakulär. Ich hatte mich an dieses Buch gewagt, ohne zu wissen, was plotten ist, ohne Figurenentwicklung, ohne tatsächlicher Geschichte. Ich hatte die Idee und auch schon das unkonventionelle Ende. Sogar der erste Satz geisterte schon in mir herum.
Für ihre Fülle konnte sie sich erstaunlich gut bewegen.
Ich habe später noch viel darüber nachgedacht, wie ich auf diesen Satz gekommen bin. Weder hatte ich solch ein Erlebnis, noch hat das irgendetwas mit der Idee meines Buches zu tun. Mittlerweile lese ich viele Schreibratgeber, schaue Interviews von Autoren und ganz oft erfahre ich dabei, der erste Satz ist das schwerste. Bei mir war dieser Satz direkt in mein Gehirn getackert und stand fest wie der Tag nach der Nacht.
Nun Gut. Da war also die Idee, der erste Satz und das Ende. Ich schrieb mit diesen Eckpfeilern dann einfach los. Ich begann also mit der ersten Szene, einer Sex Szene. Führte damit den Protagonisten und die ersten Figuren ein. Auch hatte ich mich von Anfang an für die Ich – Erzählung entschieden. Es sollte ein Psycho Thriller werden. Um so richtig die Gefühle von Angst, Machtlosigkeit und Wahnsinn dem Leser rüber zu bringen dachte ich mir, wäre dies die beste Form. (Das denke ich immer noch.)
Die Sex Szene kam bei meinen Testlesern verschieden gut an. Von Roy du Schlingel bis, so fängt doch kein Thriller an, war alles vertreten.
Diese Szene und noch ein paar danach sollten sich mit Absicht nicht wie ein Thriller anhören, anfühlen. Sie sollten Normalität, Alltag darstellen, um dann das Grauen, das Unfassbare über den Protagonisten hereinbrechen zu lassen. Dies passiert dann im 4. Kapitel.
Der Protagonist, in meinem Fall heißt er Rick, wird schon als viel denkender Mensch in die Geschichte eingeführt. Rick hält sich selbst für einen Looser, fühlt sich unsichtbar, nicht wahr genommen und tritt im Leben irgendwie auf der Stelle. Der einzige der ihn da immer rausholen konnte, der vorangeht, ihm zeigt, wie das Leben funktioniert, ist sein bester Freund Sebastian. So möchte Rick sein. Alles was Sebastian macht ist toll.
Doch genau dieser beste Freund begeht eine grausame Tat und wird auch noch von Rick dabei beobachtet. Damit wird Rick einfach nicht fertig. Sein bester Freund und so etwas? Mit der Zeit kommen ihm auch Zweifel, ob er es wirklich gesehen hat.
Das war also meine Idee. Mehr hatte ich nicht, bis auf das Ende.
Mit diesen Sachen im Kopf schrieb ich, wie gesagt los.
Das konnte doch nichts werden.
Erfuhr ich erst später.
Man muss doch plotten und kann nicht einfach drauf los schreiben.
Es soll tatsächlich Autoren geben die mit viel weniger anfangen zu schreiben, aber wollte ich wirklich so vermessen sein und mich mit ihnen vergleichen? Wohl kaum.
Dann lese ich immer wieder davon, dass Schreiben so gar nichts mit Talent zu tun hat. Schreiben kann jeder, hieß es weiter. Das warf mich ehrlich gesagt etwas aus der Bahn. Ich begann mich mit dem Handwerk auseinanderzusetzen. Und plötzlich hatte ich auch eine richtige Geschichte zu erzählen.
Aber dazu mehr im zweiten Teil.

Published inMein erstes Buch

Ein Kommentar

  1. Das macht ja wirklich neugierig, lieber Roy.
    Weißt Du was, ich mag das Frische an Dir. Eine Herangehensweise, die unreglementiert ist. Es gibt so viele Regeln. Überall und natürlich auch und insbesondere beim Schreiben eines Romans. Tatsächlich? Man könnte sagen, Du warst ganz frei von Regeln und Hinweisen, Tipps und “Pass-bloss-auf-Attacken”, als Du eine Idee hattest, einfach einen offenen Kanal für diese Inspiration hattest. Schon mitgezählt, wie oft ich hier “hattest” geschrieben habe? 😉 Das geht gar nicht!

    Ich bin absolut dafür zu lernen. Von der Erfahrung und dem Wissen anderer zu profitieren. Ja, ein Handwerk. Aber ohne Herz? Ohne Inspiration und möglichst regelkonform? Nein! Jeder findet seinen eigenen Weg. Der eine fällt damit auf, dass er die Regeln immer wieder zu brechen scheint und dennoch die Menschen erreicht. Der andere hält sich möglichst schurgerade an die Regeln. Nicht anecken, keine Fehler begehen, bisschen feige runterducken, handwerklich perfekt, aber laaaangweilig. Vielleicht schreibt er ein gutes Werk, aber berührt er damit? Ich mag Brüche. Regeln sind dazu da, sie zu beachten oder bewusst zu brechen. Ich entscheide, wann ich sie befolgen möchte und wann ich meine eigenen Regeln fliegen lasse. 🙂

    Nicht falsch verstehen, das Handwerk beherrschen lernen und dennoch sich selbst bleiben. Seine eigene Stimme finden und mit ihr singen, brüllen, flüstern, hauchen. Das ist es für mich.

    Ich bin echt gespannt auf Deinen Thriller!

    Lieben Gruß
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Roy Jacoby - Autor -